Frei, Fair und Lebendig - die Macht der Commons

Wie kann die „große Transformation“ zu einer Wirtschaft gelingen, die die Grenzen des Planeten respektiert? Zu einer Gesellschaft von Freien und Gleichen, die im Einklang mit unserer lebendigen Mitwelt lebt? Diese Frage treibt uns um und an. Dabei tut not, jenseits der Tagespolitik grundsätzlich zu denken, und Begriffe wie Mensch, Eigentum und Staat neu in den Blick zu nehmen. Denn unser Verständnis von der Beschaffenheit der Wirklichkeit beeinflusst direkt, welche soziale und politische Ordnung wir für möglich halten. 

In diesem Suchprozess hat der Begriff der Commons an Bedeutung gewonnen, als philosophische und praktische Alternative jenseits des abgedroschenen Dualismus von Markt und Staat. Manche sagen dazu auch „Gemeingüter“, doch das ist verkürzt. Commons sind eine verbreitete, schöpferische und doch vernachlässigte soziale Lebensform, schreiben Silke Helfrich und David Bollier in ihrem neuen Buch. Es trägt den programmatischen Titel „Frei, fair und lebendig: Die Macht der Commons“. Der Begriff der Commons beschreibt komplexe, lebendige Prozesse, in denen Vermögenswerte geschaffen und Bedürfnisse befriedigt werden. 

Silke Helfrich wird an diesem Abend ihr Buch vorstellen und im Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa, dem grünen Bundesvorsitzenden Robert Habeck und Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig einigen Grundsatzfragen nachgehen: Wie verstehen wir den Menschen in seinem Verhältnis zu anderen Menschen und zur Natur? Kann die fundamentale menschliche Motivation, zu kooperieren, richtungsweisend für dieses Miteinander, aber auch für die Politik sein?

Kann uns der konzeptionelle Rahmen der Commons dabei helfen, die großen Denktraditionen zu verbinden, die anderswo gegeneinander ausgespielt werden: Freiheit, Fairness und Enkeltauglichkeit (Nachhaltigkeit)? Welche Relevanz kann die neue Begriffswelt, die Helfrich und Bollier rund um die Commons entwickeln, für unsere politische und soziale Praxis haben?

Nach Helfrich und Bollier entsteht ein Commons, wenn Menschen sich als Gleichrangige selbst organisieren und kooperative Formen entwickeln. Die Ergebnisse gehören keiner einzelnen Person allein; sie werden vielmehr aufgeteilt, gemeinsam genutzt oder umgelegt. Obgleich alle Commons unterschiedlich sind, sind alle letztlich von den Gaben der Natur abhängig, vom Weitergeben des Wissens, von Zusammenarbeit, gegenseitigem Respekt und behutsam ausgeübter Gegenseitigkeit. 

Mit großem theoretischen und empirischen Aufwand haben Silke Helfrich und David Bollier die Ergebnisse der Nobelpreisträgerin Ellinor Ostrom in vielfältiger Weise vertieft und erweitert. Sie beschreiben die Muster des Commoning, die sich quer durch ganz unterschiedliche Handlungsfelder erkennen lassen. Die Beiden entwickeln eine Philosophie der Bezogenheit – mit vielen neuen Begriffen, die etwas in uns zum Klingen bringen. Dazu gehört ein anderes Verständnis von Eigentum: das „beziehungshafte Eigentum“. 

Commoning wird nur wachsen können, wenn es vom Staat anerkannt und gefördert wird. Der Politik wäre deshalb aufgetragen, institutionelle Formen zu entwickeln, die den Commons eine Chance geben, sich zu entfalten. Der Schlüssel ist, den Menschen echte Befugnisse zu übertragen, damit sie ihre Angelegenheiten in die eigenen Hände nehmen können. 

Mit:

Silke Helfrich (Autorin von "Frei, Fair und Lebendig - Die Macht der Commons")

Hartmut Rosa (Soziologe und Politikwissenschaftler, Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Robert Habeck (Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen)

Barbara Unmüßig (Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung) - Moderation

Sprache: Deutsch 

Information:
Joanna Barelkowska, Heinrich-Böll-Stiftung 
E-Mail, barelkowska@boell.de,   Telefon +49(0)285 34 -306

Anmeldung: nicht erforderlich

Adresse

Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
Schumannstr. 8
10117 Berlin

19.30 – 21.30 Uhr

Organisator

Heinrich-Böll-Stiftung

Link: calendar.boell.de/de/event/die-macht-der-commons