MedienbeitragPestizide

Oh Tannenbaum, oh gift’ger Baum!

Pestizide zum Fest

Der Anbau von Weihnachtsbäumen ist ein Riesengeschäft. Um sie in die perfekte Form zu bringen, sind Monokulturen und jede Menge Pestizide nötig.

Quelle

taz.de

http://www.taz.de/Pestizide-zum-Fest/!129639/

Autoren

Lena Schneider

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Das Geschäft mit den Tannenbäumen beläuft sich auf einen Umsatz von 700 Millionen Euro. Allein 2013 wurden 30 Millionen Tannen für das Weihnachstfest gefällt. Die Nordmanntanne, mit den nichtpieksenden Nadeln, wird extra für diesen Zweck angebaut. Dabei haben die Deutschen genaue Vorstellungen davon, wie der perfekte Weihnachtsbaum aussehen soll: zwei Meter groß, pyramidenförmig, mit weichen, sattgrünen Nadeln. Diese Ästhetik hat ihren Preis, denn ohne Dünger und giftige Pestizide gäbe es sie nicht. Die meisten dieser Bäume kommen aus dem Sauerland, denn dort zerstörte der Sturm "Kyrill" 2007 große Waldflächen, auf denen daraufhin riesige monokulturell strukturierte Tannenplantagen angelegt wurden. Nun leidet der Boden dauerhaft unter dem intensiven Einsatz der chemischen Spritzmittel und viele Tiere haben ihren Lebensraum verloren.

Die in den Plantagen verwendeten Pestizide gehören, laut Experten des Deutschen Naturschutzrings (DNR), zu den fünf gefährlichsten Substanzen der Welt. Acht bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen seien auf sie zurückzuführen. Dezember 2013 wurden die Grünen in Nordrhein-Westfahlen aktiv, wo die rot-grüne Koalition das Landesforstgesetz änderte. Ab 2028 soll dort der Anbau von Tannen dann nur n och auf landwirtschaftlichen Flächen erlaubt sein, um der Plantagenwirtschaft im Wald vorzubeugen. Wie sich das mit der Bodenqualität auf den Äckern sowie der dortigen Flora und Fauna entwickeln wird, wird sich zeigen. Rudolf Fenner von der Umweltorganisation Robin Wood sieht darin keinen Fortschritt, sondern lediglich eine örtliche Verschiebung des Problems der Plantagenwirtschaft. Seiner Meinung nach müsse der Pestizideinsatz minimiert werden.

Wer sich dennoch einen Baum zu Weihnachten ins Haus stellen will, dem raten Umweltschutzorganisationen zu Ökobäumen. Robin Wood hat detaillierte Listen online gestellt mit zertifizierten ökologisch-waldwirtschaftlichen Betrieben aus jeder Region. Andere Verbände wie NABU oder WWF empfehlen, auf einen heimischen Ursprung und die Siegel vom Forest Stewardship Council (FSC) oder Naturland zu achten.