MedienbeitragAgrobusiness

Bots on the Landscape

Large scale farming is so inefficient and destructive that it makes robots seem like a good idea.

Ein Einblick in die aktuelle Vermarktung unbemannter Roboter in der Landwirtschaft, die Logik der Befürworter und die tatsächlichen Auswirkungen auf die ländliche Wirtschaft und Lebensqualität.

Quelle

THE LAND - an occasional magazine on land rights

http://www.thelandmagazine.org.uk/articles/bots-landscape

Autoren

Simon Fairlie

The Land Magazine
Monkton Wyld Court
Charmouth
Bridport
Dorset
DT6 6DQ
phone: 01297 561359

Abstract

Der Kampf gegen die Plackerei

In den letzten fünf Jahren wurden vermehrt unbemannte Roboter in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt und vermutlich gibt es sie bald auch auf den Feldern. Die erfolgreichsten und am meisten verbreiteten unter diesen, welche ohne menschliche Anwesenheit ihre Operationen ausführen, sind derzeit Melkroboter. Hier verschwinden die Kühe, angelockt von Futter, gänzlich in einer Apparatur, die vollautomatisch den Euter reinigt, die Melkbecher anlegt, die Milch abpumpt, die Becher löst, aufputzt und die Kuh wieder auf ihren Weg schickt. Der Hauptansporn für die Anschaffung eines Melkroboters, als Bäuerin oder Bauer der "Plackerei" des Melkens zu entkommen, weicht jedoch einem enormen bürokratischen Aufwand. Das System einer automatischen Melkanlage generiert eine Vielzahl an Informationen, die verarbeitet werden müssen wie das Gewicht der Kühe und deren Temperatur, sie zeichnet den Milchertrag auf sowie Daten zur Milchqualität und anderes mehr. Laut einer Untersuchung der Hull University ist das Gefühl der Arbeitserleichterung nicht zwingend bei den Landwirten eingetreten. Vielmehr wird von einem Zustand im Bereitschaftsdienst berichtet, generiert durch die permanente Möglichkeit, der Roboter könnte ein Problem melden. Zudem wurde das Ausbleiben der alltäglichen Arbeitsunterbrechungen durch das regelmäßige Melken als Verlust von Pausen vom sonstigen Tagewerk wahrgenommen. Behielte man das Wohl der ländlichen Ökonomie im Fokus, wäre eine faire Entlohnung von Milchbauern, laut Fairlie, ein besserer Weg um diese zu unterstützen. Die Anstellung von Melkhelfern könnte dadurch gewährleistet und damit dem Schwinden weiterer Arbeitsmöglichkeiten auf dem Land entgegengewirkt werden.

Precision Farming

Doch die Einsparung von menschlichen Arbeitskräften bleibt weiterhin die Ausrichtung der großen Landtechnikhersteller wie John Deere und Fendt. Selbstfahrende Traktoren werden bereits mit GPS und anderen technischen Ausstattungen ausgerüstet, welches den Menschen lediglich zum Überwacher der Abläufe in der Kabine werden lässt. Die Autonomous Tractor Corporation (ATC) in Fargo, North Dakota beispielsweise, entwickelt derzeit eine 300 PS-Maschine die so konzipiert wird, dass ein Mensch bis zu 16 von diesen gleichzeitig kontrollieren können soll. Diese Roboter werden unter dem größeren Konzept des zu deutsch "Präzisionsackerbaus" beworben. Traktoren, Sprühfahrzeuge und Erntemaschinen werden programmiert für die Ermittlung und Erfassung des Ertrags, des Nährstoffgehalts, der Beikräuter und Schädlingsvorkommen in verschiedenen Teilen des Felds um daraufhin entsprechend die Menge an Saatgut, Düngemittel und Herbiziden zu ermitteln, die ausgebracht werden sollen. Das Ergebnis wird hoch gehalten: geringere Nährstoffversickerung und weniger Verbrauch an chemischen Zusatzstoffen.

Auch hier erinnert Fairlie, dass dies alles potentiell von Menschen bewerkstelligt werden könnte. Der Parameter der Größe heutiger Landwirtschaftsbetriebe sowie deren Erhalt, verhindert jedoch die handwerkliche Arbeit von Bäuerinnen und Bauern. Eine Landwirtschaft, die auf große Maßstäbe baut, setzt kleine Dronen zur Überwachung ein, die im Flug über die Ackerflächen Gebiete mit niedriger Ergiebigkeit, mangelhafter Entwässerung und Pilzinfektionen ermitteln. Zur Problembehandlung kommen Roboter-Traktoren zum Einsatz, welche über Sensoren die Beikräuter identifizieren und automatisch punktgenau lediglich das Blatt der Pflanze mit Ackergift besprühen oder alternativ mit einem Laser zerstören. Erdproben bestimmen das richtige Maß an Nährstoffen, die dem ausgewählten Gebiet zuzuführen sind. High-Tech-Sensoren bemessen die Wachstumsrate und den Gesundheitszustand einzelner Pflanzen mit Ausblick für die Auswahl von Saatgutpflanzen. Erntemaschinen werden programmiert lediglich die Früchte zu ernten, die den Supermarkt-Standards entsprechen. Nicht nur Traktorfahrer werden durch diese Form des technischen Mikromanagements durch Roboter ersetzt. Eine Vielzahl traditionell-ländlicher Arbeitsaufgaben sind im Begriff dadurch zu verschwinden wie Obst- und Gemüsesammler, Schnitter, Arbeiter von Baum- und Pflanzenschulen, Melkhelfer und andere mehr. Im Vereinigten Königreich wird durch diese Entwicklung die Anstellung von etwa der Hälfte der Landarbeitskräfte bedroht, in einigen Gegenden der Welt die Hälfte der gesamten Bevölkerung. Gleichzeitig entwickelt sich der Beruf des Landwirts auf diesem Weg zunehmend zu einer bürokratischen Management-Tätigkeit, bei der mehr Zeit vor dem Computerbildschirm mit der Verarbeitung einer Vielzahl an Informationen und der Spezifizierung von Roboter-Aktivitäten verbracht wird - und weniger Zeit auf den Feldern.

Militär und Landwirtschaft

Ob Landwirte die hochentwickelten mobilen Roboter mit derselben Begeisterung annehmen werden wie die Melkroboter und GPS-Traktoren, wird die Zukunft zeigen. Doch es gibt noch andere Gründe, welche die unbemannten Roboter vermehrt auf unsere Felder bringen. Landwirtschaftsflächen bieten ein ideales Experimentierareal für Roboterenthusiasten. Die wesentliche finanzielle Unterstützung in der Entwicklung von Robotern - insbesondere von Dronen und laufenden Robotern - wurde bislang vom US Militär getragen. Doch das Image ist schlecht. Auf der Suche nach einem Wirtschaftszweig, der eine sichere Entwicklung der Computer garantiert ohne dabei die Bevölkerung zu verunsichern, entscheiden sich Hersteller aus Silicon Valley für den Landwirtschaftssektor. Ländereien von US-Landwirten bieten sich als ideale Flächen für die Anwendung von Dronen an - so fernab von Menschen wie möglich. Aus ähnlichen Gründen finden unheimlich anmutende zweibeinige und vierbeinige Roboter ihre Einsatzgebiete in abgelegenen Wäldern Finnlands. Eine Technologie, ursprünglich von DARPA und Boston Dynamics entwickelt, wird heute vom Agrarmaschinenunternehmer John Deere aufgegriffen.

Die Entmilitarisierung der Robotertechnologie ging noch einen Schritt voran mit der Übernahme einer Reihe von spezialisierten Unternehmen durch Google. Zu den Unternehmen zählt auch Boston Dynamics, welche die bestehenden Verträge mit DARPA ehrt, jedoch die Schließung von neuen ablehnt, womit das US Verteidigungsministerium einen wichtigen Geschäftspartner verlieren wird. Welche Interessen Google jedoch verfolgt scheint im Moment noch unklar und sollte von der Öffentlichkeit genau beobachtet werden.

Diese Entwicklungen sind aus einiger Entfernung zu den aktuell gebräuchlichen landwirtschaftlichen Maschinen wie den Melkrobotern zu sehen. Doch Fairlie verweist darauf, dass alle Menschen, die in physischer Verbundenheit mit der Natur zusammenleben und -arbeiten wollen statt sich kybernetischer Banalitäten zu unterwerfen, auf der Hut sein sollten vor landwirtschaftlichen Robotern. Das Land sei weder von einem Computerbildschrim aus zu führen, noch ein Spielplatz für Computerfreaks und deren Spielzeuge. Falls die Agrarindustrie es in diese Richtung übertreiben sollte, so Fairlie, wäre es vielleicht wieder an der Zeit für eine Sabotage der Ludditen.

Links

Die PDF samt eindrucksvoller Bilder von entsprechenden Robotern finden Sie HIER.