MedienbeitragAgrobusiness

Scandal of Glyphosate Re-assessment in Europe

Risikobewertungen stützen sich auf Studien der Chemie-Industrie

Deutschland, als berichterstattender Staat der EU, empfiehlt die Neuzulassung von Glyphosat mit einer um 67% erhöhten maximalen Tagesdosis.

Quelle

ISIS - Institute of Science in Society

http://www.i-sis.org.uk/Scandal_of_Glyphosate_Reassessment_in_Europe.php

Autoren

Dr. Nancy Swanson
Dr. Mae Wan Ho

The Institute of Science in Society
29 Tytherton Road
London N19 4PZ

Abstract

Deutschland, das als „Rapporteur“-Mitglieds-Staat (RMS) der Europäischen Union fungiert,
hat seinen Bericht über die Neubewertung von Glyphosat (RAR – Renewal Assessment Report) im Januar 2014 bei der EFSA (European Food Safety Authority) eingereicht und dabei die Wieder-Zulassung von Glyphosat für den Gebrauch in Europa befürwortet. Und dies mit einer Erhöhung der akzeptablen täglichen Aufnahme (ADI - Acceptable Daily Intake) von 0,3 mg auf 0,5 mg je Kilogramm Körpergewicht und je Tag.
 
Im Großen und Ganzen besagen die Feststellungen dieses Berichtes, daß Glyphosat keine unakzeptablen Risiken darstellt:
Glyphosat werde nicht verstoffwechselt oder im Körper angereichert, es sei nicht gentoxisch, nicht karzinogen, störe nicht das Hormonsystem und man halte es nicht für beständig oder bioakkumulativ (dass es sich in Lebewesen anreichere). Es besitze keine Toxizität für die Reproduktion, keine giftigen Effekte auf Organe, die Hormone bilden und von Hormonen abhängig sind, und es habe keine giftigen Auswirkungen auf Bienen. Deswegen seien jedwede Risiken innerhalb akzeptabler Standards.
Die einzigen Risiken, die man anführte, waren, daß Glyphosat die Augen stark reizt und daß es im Erdboden beständig ist.
 
Fragestellungen, die in der Neubewertung nicht abgeschlossen werden konnten, waren:
Die Relevanz von Verunreinigungen, die Effekte auf Mikroorganismen, die Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen sowie indirekte Effekte auf die Artenvielfalt (auf nicht anvisierte Lebewesen, insbesondere auf Vögel).
 
Die vorgeschlagene Entscheidung zum Schluß des ersten Bandes (Vol. 1) wurde komplett geschwärzt.
 
Eine skandalöse Schlußfolgerung inmitten überwältigender Evidenz für Giftigkeit
 
Wie konnten sie zu solch einer grotesken Schlußfolgerung gelangen, wo doch sich doch weltweit die Evidenz für die Toxizität von Glyphosat-haltigen Herbiziden in so einem Ausmaß angesammelt hat, daß eine Anzahl von Ländern bereits ihre Verwendung verbieten?
 
Es begann mit Dänemark, daß das Herbizid 2003 ächtete.
 
Das Niederländische Parlament hat es im April 2014 für den nichtkommerziellen Gebrauch verboten und bis Ende 2015 soll das umgesetzt werden.
Frankreich steht davor, dem zu folgen.
 
In Brasilien, einem der größten Produzenten von Glyphosat-resistenten gentechnisch veränderten Pflanzen, ist ein Gerichtsprozess eingeleitet worden um Glyphosat und acht weitere Pestizide zu verbieten.

El Salvador hat im Februar 2013 ein vollständiges Verbot erlassen und brachte dabei Glyphosat enthaltende Herbizide in Verbindung mit einer Epidemie von chronischen Nierenerkrankungen, die die Region betroffen hat.
 
Wissenschaftler aus Sri Lanka haben Belege dafür geliefert, daß sich Glyphosat im menschlichen Körper anreichert, besonders in der Gegenwart von hartem Wasser. Seine Fähigkeit, arsenhaltige und für die Nieren giftige Metalle einzufangen und zurückzuhalten ermöglicht, daß Glyphosat zum Überbringer wird, der diese Gifte bei den Nieren abliefert. Die Regierung von Sri Lanka hatte zunächst ein Verbot erlassen, aber es unter dem Druck der Industrie nicht eingehalten.
 
Glyphosat ist außerdem mit vielen anderen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht worden einschließlich Krebserkrankungen, Unfruchtbarkeit, Neurotoxizität, Reproduktionsprobleme, Missbildungen von Neugeborenen, Gentoxizität und weiteren Gesundheitsproblemen bei Mensch, Tier und Umwelt. Viele halten sein weltweites Verbot für längst überfällig.
 
Die EFSA hat den RAR auf ihre Website gestellt für die Öffentliche Konsultation, die am 22. Mai 2014 auslief. Geantwortet wurde nur elektronisch auf einer rigiden Dokumentvorlage mit vorbestimmten Kategorien an Antworten und mit ernsthaften Platz-Beschränkungen. Weder E-Mail noch Brief-Post wurden akzeptiert. Kommentatoren mussten ihr Einverständnis dazu geben, daß ihr Beitrag gelöscht würde, wenn er sich als ungeeignet erweist. Auf diese Weise wurden alle Kommentare, die sich auf Roundup bezogen, außer acht gelassen und das obwohl Roundup das meist verbreitete Herbizid mit Glyphosat in Europa ist.
 
Die Konsultation war strikt auf Glyphosat begrenzt
 
Dr. Brian John von "GMFree Cymru" startete eine Beschwerde mit dem Ombudsmann der EU mit der Behauptung, daß die EFSA kein Recht hat zur Errichtung solcher Bedingungen. Er klagt diesen Prozess dafür an, daß „er tendenziös und gravierend auf diejenigen ausgerichtet war, die Glyphosat weiterhin im Gebrauch sehen wollen“ und der Bericht daher vollkommen für den Zweck ungeeignet sei. Das gesamte Verfahren der Risiko-Bewertung war komplett intransparent.

Wer waren die Autoren dieses Berichtes mit der Risikobewertung?
 
Verantwortlich für den RAR ist das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Der Report enthält innerhalb der 15 Dokumente mit insgesamt 3744 Seiten an keiner Stelle irgendeine Information zu seinen Autoren. Zwischen April und Juni 2014 wurde das BfR bei vier verschiedenen Gelegenheiten kontaktiert und gebeten, Auskunft darüber zu erteilen, wer der Autor des Reportes ist und welches Komitee beim BfR verantwortlich für diesen Bericht ist. Bis jetzt haben sie nicht geantwortet.
 
Man könnte erwarten, daß das BfR-Kommittee für Pestizide und deren Rückstände zuständig für die Anfertigung des RAR ist. 2014 sind drei seiner 12 Mitglieder entweder von der BASF oder Bayer Crop Science. In der Zeit von 2011 bis 2013, als dieses Gremium 16 Mitglieder umfaßte, waren vier Personen aus diesen Firmen. Dieser ernst zu nehmende Interessenskonflikt in einer Regulierungsbehörde ist nicht auf das BfR beschränkt, er ist endemisch für die Regulierungs-Agenturen der EU.
 
Die EFSA, Oberste Behörde für Lebensmittel-Sicherheit in der EU, weist eine Geschichte an Interessenskonflikten auf. Der Bericht „Unhappy Meal“ von Corporate Europe Observatory aus dem Jahr 2013 enthüllte, daß an die 59 % der Mitglieder in den wissenschaftlichen Gremien der EFSA zusätzlich direkte oder indirekte Verbindungen zu den Unternehmen hatten, deren Aktivitäten unter den Aufgabenbereich der EFSA fallen. Das hatte unter anderem zur Folge, daß das Europäische Parlament im April 2014 für eine Resolution stimmte, Wissenschaftler mit Verknüpfungen zu den Industrien für Landwirtschaft und für Nahrungsmittel von der Arbeit an dieser Behörde auszuschließen. Das Parlament hat der EFSA hierzu eine Frist von zwei Jahren eingeräumt, ihr Auftreten sauber zu gestalten.
 
Aber der Interessenskonflikt ist viel eklatanter. Es sind Monsanto und ein Konsortium europäischer Chemie-Unternehmen, die die Risikobewertung für die weitere Zulassung von Glyphosat durchgeführt haben. Monsanto und ein Firmen-Konsortium europäischer Chemie-Firmen bewerteten die Risiken.
 
Das BfR stellt in seiner Presse-Mitteilung fest:
„Außer dem BfR waren weitere Institute an der Neu-Abschätzung von Glyphosat mit beteiligt:
das Umwelt-Bundesamt (UBA), das Julius Kühn Institut (JKI) und das Bundes-Amt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-Sicherheit (BVL), letzteres Amt als Behörde im Risikomanagement.“
Das wurde so geplant, um der Risikoeinschätzung unangemessene Ehrwürdigkeit und Gewicht zu verleihen.
 
Aber das BfR und seine Bundesämter untersuchten nicht wirklich die publizierten toxikologischen Studien. Anstelle dessen waren sie abhängig von einer Zusammenfassung, die ihnen von der Arbeitsgruppe Glyphosat, Glyphosate Task Force (GTF), geliefert wurde. Diese GTF besteht aus Monsanto und einem Konsortium von Chemie-Unternehmen aus ganz Europa, einschließlich Syngenta UK und Dow Italy. Obwohl das BfR hier und da Kommentare hinzufügte, stammen alle Bewertungen der toxikologischen Studien von der GTF.
 
Damit wurden Firmen, die am Verkauf von Glyphosat-haltigen Herbiziden verdienen bemächtigt, wirkungsvoll zu erklären, daß Glyphosat sogar sicherer sei als zuvor und der ADI erhöht werden kann.
 
Deutschland hat fraglos alle nicht publizierten Berichte akzeptiert, die ihm von den Chemie-Firmen gegeben wurden. Viele der Informationen sind geschwärzt (Autor, Titel des Berichtes, Labor), der Sponsor wird genannt (Monsanto, Syngenta etc.) und auf die Berichte wird mit Nummern Bezug genommen. Wenn die toxikologischen Berichte miteinander in Konflikt gerieten, wählten sie diejenigen aus, die von engen toxischen Reaktionen berichteten, wobei sie andere auf den Staus „ergänzend“ herabstuften. Wenn die toxischen Effekte signifikant im Vergleich mit den eigenen Kontrollgruppen-Werten waren, benutzten sie stattdessen unerlaubterweise „historische Kontrollen“, um sie weniger signifikant erscheinen zu lassen.
 
Von den Berichten, die publiziert waren, verwendeten sie nur die, die Glyphosat alleine testeten.
Das Glyphosat wurde „von Monsanto mit einem Reinheitsgrad von 99 %" bereitgestellt. Dies trotz der Tatsache, daß die Öffentlichkeit bislang ausschließlich Gemische wie vorwiegend Roundup benutzen.
 
Die GTF nahm sich alle wissenschaftlich gutachterlich geprüften Studien vor, um anschließend Entschuldigungen zu finden, diejenigen auszuschließen, die nicht mit den bereits akzeptierten Studien der Chemieindustrie übereinstimmten.
 
Schlussfolgerung:
 
Der gesamte Verlauf der Risiko-Bewertung für die Neuzulassung ist fehlerhaft und korrupt.
Er ist voller Interessenskonflikte, nicht transparent und massiv den unveröffentlichten Studien der Industrie zugeneigt.