MedienbeitragWasser

Zu viele Pestizide im Wasser

Ackergifte und Kläranlagen verseuchen Europas Flüsse überraschend stark, zeigt eine Studie. Artenvielfalt und Trinkwasser sind bedroht.

Quelle

taz.de

http://www.taz.de/Europas-Fluesse/!140481/

Autoren

Annika Waymann

taz Verlags u. Vertriebs GmbH
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Gemeinsame Untersuchungen von Forschern des Leipziger Helmholtz-Instituts für Umweltforschung, der Universität Koblenz-Landau sowie Wissenschaftlern aus Frankreich und der Schweiz ergaben, dass die chemische Belastung von Gewässern durch Pestiziden und anderen, kein lokales Problem darstellt. Vielmehr zeigt die Studie auf, dass die Chemikalien von kleinen Gewässern in große Flüsse wie Donau und Rhein weitergetragen werden. Als Hauptverursacher der Belastung stellte sich die Landwirtschaft und städtische Kläranlagen heraus.

Die chemische Belastung der Gewässer sei so hoch, dass die von den EU-Staaten bis 2015 angepeilte Verbesserung der Wasserqualität in der Wasserrahmenrichtlinie, nicht erreicht werde.

Die Lage habe sich zwar seit den 1970er Jahren verbessert, sei aber dennoch deutlich schlechter, als angenommen wurde. Die Wissenschaftler analysierten 223 Chemikalien aus 4.000 Messstellen. Bei etwa 15 Prozent der Gewässer wurden akut toxische Effekte attestiert, was bedeutet, dass dort ein Teil der Organismen als direkte Folge der Schadstoffbelastung stirbt.

Die Wissenschaftler fordern, um die negativen Folgen für die Umwelt zu reduzieren, dass weniger Pestizide verwendet werden, Abwässer sollen besser geklärt und Randstreifen neben den Flüssen und Bächen nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Die Aufnahme von Schadstoffen in die Liste gefährlicher Stoffe auf EU-Ebene, könne das Problem nicht lösen, da diese dann durch ähnliche Stoffe ersetzt werden würden, die bei der Überwachung der Gewässer gar keine Berücksichtigung finden. Somit wäre das Verbot ganzer Stoffgruppen eine notwendige Maßnahme.

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes von 2013 erfüllen in Deutschland nur 10 Prozent der Flüsse und Bäche die Kriterien für einen ökologisch guten Zustand. Die übrigen 90 Prozent erreichten die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie im vergangenen Jahr nicht.