MedienbeitragWasser

Die kleinen Dinge im Leben

Mikroplastik findet man überall: in Gewässern, Wattwürmern, dem Kot von Seemöwen, sogar in Mineralwasser, Bier und Bienenhonig. Gefährlich kann es werden, wenn sich an den Kunststoffstücken Umweltgifte wie Pestizide festsetzen.

Quelle

fluter. Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung

http://www.fluter.de/de/139/thema/13186/

Autoren

Bernd Kramer

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb Adenauerallee 86
53113 Bonn
www.bpb.de
V.i.S.d.P. Thorsten Schilling schilling@bpb.de

Als Mikroplastik werden Kunststoffpartikel bezeichnet, die für das Auge meist unsichtbar und nur mit komplizierten Verfahren nachzuweisen sind. Es gibt eine Vielzahl an Funde laut Claus Gerhard Bannick vom Umweltbundesamt, der das Thema dort betreut. Die Forschung stünde noch sehr am Anfang. Bemerkenswert ist die Ablagerung von Umweltgiften wie Pestiziden an den Kunststoffpartikeln. Da diese nicht verrotten (das Material einer Plastikflasche bspw. benötigt laut UBA 450 Jahre um sich zu zersetzen) können sich Schadstoffe dort besonders stark anreichern.

500 Tonnen Mikroplastik werden deutschlandweit nach Schätzungen des Hürther Nova-Instituts in Gesichtscreme, Duschgel, Zahnpasta und anderen Kosmetikprodukten verarbeitet. Die kleinen Körnchen scheuern Schuppen von der Haut und Plaque von den Zähnen. Dann fließen sie durch den Abfluss im Waschbecken in die Kanalisation.

Birgit Packebusch, Wasseranalytikerin vom Nürnberger Klärwerk erklärt, dass 90 Prozent des Kunststoffs aus dem Abwasser gefischt werden kann. Das meiste bleibt im Klärschlamm hängen, welcher in speziellen Müllverbrennungsanlagen vernichtet werden kann. Deutschlandweit findet jedoch immer noch die Hälfte des Klärschlamms Verwendung als Düngemittel in der Landwirtschaft. So landen die Plastikteilchen direkt auf dem Acker und im Ökosystem.

Auch aus Fleecepullis lösen sich in der Waschmaschine Polyester- und Polyacrylfasern. Das Umweltbundesamt schätzt, dass nach jedem Waschgang bis zu 2.000 davon in die Meere gelangen, da sie von den Klärwerken nicht zurückgehalten werden. Weitere Mikroplastikquellen ergeben sich aus dem Straßenverkehr: 110.000 Tonnen Reifenabrieb im Jahr verlieren Autos auf Deutschlands Straßen – das ist gut 200-mal mehr Kunststoff, als in Kosmetik verarbeitet wird. Der Regen spült es in die Kanalisation.