FalldokumentationKlein Jasedow 2004

Protokoll des Arbeitsgesprächs zur Clomazone-Problematik am 16. September 2004 in Klein Jasedow

Protokoll des Arbeitsgesprächs zur Clomazone-Problematik
am 16. September 2004 in Klein Jasedow 

Die Konferenz fand vor dem Hintergrund der Ereignisse 2001 diesmal ohne Öffentlichkeit statt. Nachdem die Bürgerinitiative Herrn Dr. Buchwald vom Landwirtschaftsministerium über die neuerliche Clomazone-Vergiftung in Kenntnis gesetzt hatte, lud dieser eine Reihe von Fachleuten nach Klein Jasedow ein, um vor Ort die Schäden in Augenschein zu nehmen und die Konsequenzen zu diskutieren, die sich aus der Tatsache der exakten Wiederholung derselben Havarie in der Gemeinde Pulow und an einem Dutzend weiterer gemeldeter Orte für die Zulassung des Wirkstoffs ergeben. Das Protokoll wurde in Echtzeit von Lara Mallien mitgeschrieben und von Dr. Buchwald autorisiert.

Teilnehmer:

Behörden:

Herr Dr. Jürgen Buchwald, Leiter der Abteilung 5 des Landwirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommerns – Verbraucherschutz und Veterinärwesen
Herr Dr. Bernd Broschewitz, Landwirtschaftsministerium M-V, Referatsleiter Verbraucherschutz, Ernährungsberatung und Überwachung der pflanzlichen Produktion
Herr Dr. Kai-Uwe Kachel, Landwirtschaftsministerium M-V, Referat ökologischer Landbau, Saatgut-, Düngemittel-, Pflanzenschutz- sowie Bodenschutzrecht
Herr Dr. Schreiber, Landespflanzenschutzamt M-V, Rostock, Abteilungsleiter Verbraucherschutz, Pflanzenschutzmittelkontrolle und Rückstandsanalytik
Herr Dr. Röber, Landespflanzenschutzamt M-V, Rostock, Bereich Rückstandsanalytik
Herr Peter-Jürgen Stiemer, Landespflanzenschutzamt M-V, Außenstelle Greifswald
Herr Dr. Gerhard Hauk, Landesgesundheitsamt M-V, Rostock, Umweltmedizinische Beratungsstelle
Herr Dr. Duty, Landesgesundheitsamt M-V, Rostock
Frau Dr. Brüsch, Gesundheitsamt Ostvorpommern, Anklam
Frau Lehmann, Staatliches Amt für Umwelt und Natur StAUN, Ueckermünde
Frau Dr. Behn, Kontrollbehörde für ökologischen Landbau, Amt für Landwirtschaft Bützow
Herr Torsten Jannsen, Leiter der Öko-Kontrollstelle Grünstempel e.V.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz konnte leider nicht teilnehmen.

Beteiligte Betriebe:

Herr Bernard Kowolik, Geschäftsführer der Peeneland Agrar GmbH
Frau Christiane Icke, Feldfrüchte Icke (ökologischer Anbau)
Frau Christiane Wilkening, Kräutergarten Pommerland eG (ökologische Produktion)
Herr Markus Ziegenhagen, Kräutergarten Pommerland eG (ökologische Produktion)

Bürgerinitiative Landwende:

Herr Johannes Heimrath, Sprecher der Bürgerinitiative
Herr Matthias Andiel
Frau Caroline Remy
Frau Christine Simon
Herr Klaus Holsten
Frau Lara Mallien
Frau Beata Seemann

Beginn der Konferenz: 10 Uhr

Begrüßung durch Johannes Heimrath als Gastgeber: Was uns heute hier zusammengeführt hat, ist dasselbe Problem wie im Jahr 2001: Pflanzenschäden, die mit Spritzmitteln zu tun haben. Seitdem haben wir viel gelernt.

Aus der ersten überraschenden Not vor genau drei Jahren im September 2001 haben wir damals schnell reagiert und die Presse eingeschaltet. Zunächst sind wir von einem nicht fachgerecht ausgebrachten Mittel ausgegangen. Als aber schnell klar wurde, dass solche Schäden im ganzen Land aufgetreten waren, war dieser Punkt nicht haltbar. Es war ein flächendeckender Skandal. Unser Einsehen und unsere Zurücknahme der Empörung gegenüber dem verursachenden Landwirtschaftsbetrieb hier vor Ort sind aber nicht beachtet worden.

Darum möchte ich in diesem Fall ganz deutlich sagen: Wir anerkennen, dass von Seiten des Landwirtschaftsbetriebs Peeneland Agrar GmbH versucht wurde, alles richtig zu machen. Der Landwirtschaftsbetrieb wird sicher nicht bewusst fehlerhaft gehandelt haben, nach allem, was passiert ist. Trotzdem sind diese Schäden wieder aufgetreten. Der Wirkstoff ist offenbar nicht beherrschbar. Unser Ziel muss also sein, den Wirkstoff als nicht tauglich für die Anwendung in der Landwirtschaft zu deklarieren. Er muss umgebaut oder durch etwas anderes ersetzt werden.

Die enormen Probleme, die in unserer Gemeinde nach dem Herbizidunfall 2001 entstanden sind, sind den meisten von Ihnen bekannt. Die Anschauung einiger Bürger, dass es hier einer kleinen Gruppe angeblich darum geht, die konventionelle Landwirtschaft zu zerstören, hat so tief in den Köpfen Platz genommen, dass sie auch durch viele Gespräche bis heute nicht mehr wegzubekommen war. Es gab feindliche Reaktionen eines Teils der Bevölkerung, bis hin zur Bedrohung. Erst letzte Woche, nachdem Herr Stiemer im Vertrauen hier bei uns war und anschließend den Kontrollbesuch bei der Peeneland gemacht hatte, wurde gegen Mitternacht bei uns eine Fensterscheibe eingeworfen (zeigt die immer noch zerstörte Scheibe und dazu den kinderkopfgroßen Stein auf dem Tisch). Wir haben das hier auf den Tisch gelegt, damit Sie sehen, wie ernst die Situation ist. Ich will aber den Stein und die Scherben beiseite legen. Das ist eine symbolische Geste: Es soll kein Stein geworfen werden, und es hat schon genug Scherben gegeben.

Sicher haben einige von Ihnen den Film „Die Siedler“ gesehen, der uns porträtiert. Wer ihn gesehen hat, wird jetzt wissen, was wir tatsächlich tun und was blanke Gerüchte sind. Der Film macht auch deutlich, dass es sich hier nicht um eine kleine verschworene Gruppe handelt, die gegen den Rest der Gemeinde aufsteht, sondern es sind viele neu Zugezogene in einem sich gegenseitig helfenden Freundeskreis, die hier versuchen, die Dinge zum Guten zu wenden. Der Ausgang der Kommunalwahl zeigt auch deutlich eine Zweiteilung in der Gemeinde: Die Hälfte der Bürger unterstützt, was wir hier tun, und nimmt wahr, dass wir beispielsweise viele Arbeitsplätze geschaffen hatten. Herr Kowolik, wir hatten in der vergangenen Zeit einige gute Gespräche und erfolgreiche Verhandlungen, nicht wahr? Ich meine, dass inzwischen doch deutlich geworden sein dürfte, dass hier nicht eine kleine Gruppe militanter Leute etwas durchsetzen will, sondern dass wir Bürger sind, die versuchen, im Einklang mit den Menschen und der Natur zu leben, und die jetzt zum zweiten Mal von demselben Pflanzengift betroffen sind. Wir haben vielleicht einen besonderen Blick entwickelt, der uns Schäden womöglich früher als andere erkennen lässt (zeigt eine Rose mit Clomazoneschäden und eine Brombeerranke mit gebleichten Bättern). Hier sieht man die Auswirkung von Clomazone, Wirkungen eines Produkts, für die ein Hersteller zu haften hat.

Auch was die Gesundheit betrifft, sind bekannte Symptome aufgetaucht. Wir haben 2001 darum gebeten, dass diese Symptome ernstgenommen werden. Herr Dr. Hahn vom BfR Berlin ist sehr daran interessiert gewesen, mehr über die gesundheitlichen Zusammenhänge zu erfahren. Er hat einen Feldversuch angeregt, aber dazu hätte es der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft bedurft oder evtl. einen anderen Schauplatz gebraucht. Die Studie ist vermutlich noch nicht gemacht.

Dr. Jürgen Buchwald (begrüßt als Einladender die Anwesenden und bittet um Vorstellung): Fachleute behandeln jetzt das Problem: Wie gehen wir mit Clomazone um? Das Pflanzenschutzamt sagt, der Betrieb hat die Anwendungsbestimmungen für das Produkt eingehalten. Dennoch haben wir diese Symptome. Wie gehen wir mit den einzelnen Teilproblemen um, und wie verfolgen wir das weiter?

Im Weiteren schlägt Herr Dr. Buchwald vor, entsprechend der Tagesordnung zu verfahren und geschädigte Flächen und Pflanzen zu besichtigen. Die gesamte Gruppe unterbricht das Gespräch und begibt sich nach draußen, um die Auswirkungen persönlich in Augenschein zu nehmen. Es werden sowohl Schäden in Privatgärten als auch Anbauflächen der Kräutergarten Pommerland eG begutachtet. Herr Kowolik erklärt auf der Rapsfläche, die an das ökologische Melissenfeld angrenzt, er habe einen Randstreifen von 36 Metern zusätzlich angelegt, auf dem er kein clomazonehaltiges Mittel eingesetzt habe. Auf dem Streifen sei „Butisan Top“ (Hersteller: BASF) gespritzt worden, auf der restlichen Fläche habe er dann das clomazonehaltige „Nimbus CS“ (Hersteller: BASF) ausgebracht.

Dr. Buchwald: Feststellbar ist, dass wir keine Abdriftsituation haben, also die Symptome nicht innerhalb eines bestimmten Abstands von der Ackerfläche beobachten, sondern dass wir letztendlich eine Bleichwirkung des Clomazone überall punktuell festellen, also eine Verfrachtungswirkung haben. Abdrift bedeutet, dass der Wirkstoff während des Aufbringens verweht, Verfrachtung bedeutet, dass er nach dem Aufbringen „verdunstet“.

Stiemer: Der Vergleich von 2001 zu 2004 ist interessant. Die Außenstelle Greifswald ist stärker konfrontiert als andere Bereiche in M-V. Die Symptome sind in diesem Jahr nicht so stark ausgebildet wie 2001. Wir finden die Symptome, wir finden sie auch an denselben Kulturen wie 2001, also an Brombeeren, Melde, Vogelmiere und Holunder; Springkraut ist neu hinzugekommen, vielleicht haben wir das 2001 aber auch nur übersehen. Damals und heute finden wir die Weißfärbung ja noch im tiefen Wald, 400 m vom Rapsfeld entfernt.

Die Weißfärbung entsteht durch Chlorophyll-Abbau, besonders an Jung-Austrieben, z.B. auch an Rosen, deren Triebspitzen weiß werden. Das gesamte Blatt bei den Jungtrieben ist weiß. Das ganze Gewebe der jungen Pflanze ist natürlich relativ weich und „zeichnet“ daher schnell. Es ist eine Folge von Verfrachtung, nicht von Verdriftung. Dabei geht es um den Dampfdruck des Mittels. Es wird nicht beim Ausbringen etwa vom Wind abgetrieben, sondern es wird verfrachtet, nachdem es ausgebracht worden ist, aufgrund seiner chemischen Eigenschaften.

Der Wirkstoff wird unter Einhaltung der guten fachlichen Praxis und der Auflagen des Mittels – resultierend aus dem Brasanfall 2001 – ausgebracht, trotzdem sind die Symptome feststellbar. Nicht so stark jedoch wie 2001, vielleicht, weil die Landwirte inzwischen sensibler mit Clomazone umgehen. Auch war die Witterung in diesem Jahr nicht so extrem wie 2001 nach der Anwendung. Außerdem führt die inzwischen eingeführte Verkapselung des Wirkstoffs dazu, dass seine Freisetzung anders erfolgt.

Dr. Röber: Wir haben Untersuchungsfälle in Arbeit. Eine Probe von Herrn Stiemer stammt aus 1 m Entfernung vom Ackerrand. Hier war Clomazone nicht mehr nachweisbar, und das Metazachlor war noch zu 0,6 % nachweisbar, das sind geringfügige Werte.

Dr. Buchwald: Was Sie gefunden haben, sind das Abbauprodukte des Clomazone? Ist 0,6% viel oder wenig? Welche Art Proben wurden genommen? Blätter oder Boden?

Dr. Röber: Die Bodenprobe ist 17 Tage nach der Herbizidspritzung gezogen worden. Die Proben vom Landespflanzenschutzamt wurden auf der Rapsfläche der Peeneland Agrar GmbH gezogen. Eine Probe wurde in der Schlagmitte und eine im Abstand von 1 m vom Gewässerrand gezogen. Der Vergleich der Analyseergebnisse gibt Aufschluss über die Einhaltung der Anwendungsbestimmungen. Die Konzentration wird in der gespritzten Fläche bestimmt und dann relativiert auf das, was man in Proben im Randbereich findet. Clomazone war nicht mehr da. Metazachlor war bei 0.6%, das ist sehr wenig. Zu den chemischen Eigenschaften: Die reinen Stoffeigenschaften des Mittels sind seit 2001 nicht verändert worden. Man kann nur die Form verändern, in der es ausgebracht wird. Im Vergleich mit Brasan liegt bei Nimbus CS der Wirkstoff in „verkapselter“ Form vor, das heißt, es kommt anders auf den Boden und auf die Pflanze. Aber in dem Moment, wo Clomazone zu wirken beginnt, sind seine chemischen Eigenschaften unverändert so, wie sie gewollt sind. Man will ja genau diese herbizideWirkung auf die Zielkräuter haben.

Stiemer: Am 21. August wurde das Mittel ausgebracht, am 7. September wurde die Probe gezogen.

Andiel: Kann man das hochrechnen, wie es am 22. ausgesehen hat?

Dr. Röber: Die Relation ist die gleiche geblieben, es bleiben immer 0,6% der jeweils gemessenen 100%, weil die Konzentration über die Zeit gleichmäßig absinkt.

Stiemer: Bei den Probennahmen geht es darum, festzustellen, inwieweit der Betrieb die Abstandsregelung eingehalten hat. Wir ziehen die Bodenproben in der Schlagmitte und am Rand des Gewässers.

Jannsen: Diese 0,6% beziehen sich auf das Methazachlor? Das stammt wohl aus dem Butisan. Muss dies in Bezug gesetzt werden zu den 100% der Fläche?

Zwischenfrage: Handelte es sich bei den Proben um Pflanzen- oder Bodenproben?

Dr. Röber: Es wurden keine Pflanzenproben gezogen. Wir haben Pflanzen 2001 untersucht und sind dabei nur auf Größen gekommen, die auch für Diätnahrungsmittel zulässig sind.

Es wird hier ja immer mit dem Dampfdruck argumentiert, das ist ein Wirkprinzip bei vielen Wirkstoffen. Der Dampfdruck von Clomazone ist im Vergleich zu anderen Mitteln nur ein Hundertstel groß, es sind nur sehr kleine Drücke. Im Vergleich zu Vanillin oder Naphtalin, das man sich als Mottenkugel in den Schrank hängt, haben wir nur ein Hundertstel oder ein Tausendstel davon beim Clomazone. Die andere Formulierung, z.B. die Verkapselung, ändert nichts an den chemischen Eigenschaften des Wirkstoffs. Das betrifft nur die bessere Ausbringung, nicht, was das Mittel nachher tut.

Jannsen: Nimbus CS hat einen weiteren Wirkstoff, eine Chlorverbindung. Ist dies das Metazachlor?

Dr. Röber: Ja. Es muss die Pflanzenoberfläche berühren, um zu wirken. Es führt zu Chlorosen bei den Kräutern, die man treffen will.

Heimrath: Im Sicherheitsdatenblatt steht: „Greift die Wurzel an“.

Dr. Röber: Das ist eine Sowohl-als-auch-Wirkung. Es greift später auch die Wurzeln an, aber die erste Wirkung passiert über die Blattfläche.

Dr. Broschewitz: Metazachlor erzeugt keine Weißfärbung, sondern eher eine Verkräuselung. Das Blatt krümmt sich wie ein Kohlblatt. (Anm.: Beschrieben wurden phytotoxische Schäden nach einer Fehlanwendung bzw. nach überdurchschnittlicher Wirkstoffaufnahme an der Kulturpflanze.)

Heimrath: Verkräuselung? Bei Linden, Ahorn, Weiden haben wir festgestellt, dass sich die äußeren Blätter zusammenrollen. Dann vertrocknen sie von den Rändern her. Das haben wir in den vergangenen Jahren in dieser Intensität noch nie beobachtet. Ist es denkbar, dass diese Wirkung vom Metazachlor erzeugt wird?

Dr. Röber: Wenn wir uns dazu äußern wollten, müsste man Untersuchungen machen. Im Zulassungsverfahren wird auf Nebeneigenschaften eigentlich streng geachtet. Es gibt gewisse Leitkräuter, die man erwischen möchte, und dann wird auch darauf geachtet, welche Kräuter noch zeichnen. Bei manchen ist die Wirkung auch sortenabhängig. Aber dass Bäume in erheblichem Maße zeichnen, ist mir nicht bekannt.

Dr. Buchwald: Es wird ja nicht erst in der Praxis getestet, sondern es gibt ein ausführliches Testverfahren, bevor der Stoff in die Praxis geht. Bei Clomazone war es klar, dass es zu Schäden kommen kann. Deshalb gibt es besondere Vorsichtsmaßnahmen und eine Neuformulierung der Zusammensetzung im Fall von Nimbus CS. Trotzdem haben wir Verfrachtung von Clomazone, das ist ein Problem.

Jannsen: Gibt es weitere Proben?

Dr. Röber: Von diesem Standort hier in der Gemeinde Pulow gibt es keine weiteren Proben.

Heimrath: Es gibt die Charge frisch geschnittener Melisse. Sie wurde offenbar ein oder zwei Tage nach dem Spritzen geerntet, und wir haben sie separiert. Nachdem sie keine Zeichnung zeigt, ist der Clomazone-Wirkstoff vielleicht noch nicht verstoffwechselt?

Dr. Röber: Wie weit kann man analytisch gehen und wie weit über Anzeigepflanzen wie die Vogelmiere? Wenn es frisch ist, könnte es eventuell nachweisbar sein. Diese Untersuchung müsste das Landesveterinäramt machen.

Jannsen: Können Sie uns sagen: Clomazone und Metazachlor – bis wann sind diese Wirkstoffe noch in wachsenden Produkten nachweisbar?

Dr. Röber: Im Zulassungsverfahren wird seine Halbwertszeit mit angegeben, sie ist mir aber nicht bekannt. Halbwertszeiten werden für normale Boden- und Pflanzenbedingungen angegeben sowie in Abhängigkeit von Sonneneinstrahlung oder Boden-pH-Wert.

Jannsen: Kann man sagen, Clomazone kann man nach 1 Woche unter normalen Umständen nicht mehr nachweisen?

Dr. Röber: Ja, das geht relativ schnell. Der Wirkstoffabbau in der Pflanze dauert etwa 7 Tage. Die Länge der Wirkung hängt von dem Zweck des Mittels ab. Eine gewisse Beständigkeit ist gewollt, damit die gewünschte Wirkung eintritt. Das Mittel muss eine gewisse Zeit einwirken können.

Dr. Buchwald fasst zusammen und wechselt zum nächsten Schwerpunkt: Gesundheit.

Heimrath: Wir tun uns am schwersten, den Zusammenhang zwischen dem Ausbringen des Mittels augenfällig darzustellen, weil viele Faktoren zu Krankheitssymptomen führen können. Bestimmte Dinge haben sich wiederholt, z.B. erkältungsartige Krankheitsbilder. 2001 war eine gewisse Häufigkeit von Infektionskrankheiten vom Frau Dr. Brüsch festgestellt worden.

Bevor dieses Mal überhaupt jemand etwas gesagt hat, wurde erstmal geschwiegen, weil wir durch die Erfahrungen 2001 traumatisiert waren. Alle haben es gespürt, aber niemand hat gesagt: Ich bin krank, ich geh zum Arzt. Im Betrieb haben wir 2 Krankschreibungen, eine Frau war 10 Tage krank mit grippeähnlichem Infekt. 2001 war in der fraglichen Zeit eine Nachbarin, die eine sehr anfällige Gesundheit hat, mit multiplem Organversagen zusammengebrochen, zur Zeit ist sie wegen epilepsieartiger Anfälle seit Beginn der Spritzung im Krankenhaus in Greifswald. Allgemein wird über anhaltendes und gleichbleibendes Kopfweh über 3 oder 4 Tage berichtet, kleine Kinder haben Hautausschlag. Es gibt fiebrige Anfälle, Gelenk- und Gliederschmerzen, Benommenheit. metallischen Geschmack im Mund. Die Hälfte der Leute hat über Halsweh geklagt, meist also so genannte unspezifische Symptome. Natürlich denken wir auch an psychologische Aspekte: Habe ich ein Spritzenfahrzeug gesehen und bin deshalb krank? Wir haben versucht, solche Effekte selbstkritisch auszuschließen.

Unser Eindruck ist: Es gibt eine gesundheitliche Beeinträchtigung. Wir wissen nicht, ob es von Clomazone oder von etwas anderem kommt. Da das Mittel ja eine gewisse Beständigkeit haben soll, wie Dr. Röber sagt,sind wir dem eine Zeitlang ausgesetzt, atmen es über eine Woche oder 10 Tage permanent ein. Die Wirkung von Niedrigstdosen kann unserer Meinung nach durchaus dazu führen, dass sich Krankheitssymptome zeigen.

2001 haben wir Fragebogen bekommen, das wäre diesmal auch wieder gut gewesen.
Ich mache den Vorschlag, bei künftigen Clomazone-Anwendungen vorher die Bevölkerung zu informieren und mit Fragebögen auszustatten.

Dr. Hauk: Die Symptome sind schwierig einzuschätzen. Clomazone an sich ist als gering belastend eingestuft. Die Reizerscheinungen kommen vielleicht eher von Hilfsstoffen, die sonst noch in dem Mittel enthalten sind. Es kann durchaus sein, dass es das ist, was reizend auf Schleimhäute wirkt. Was bei dieser Sache nicht so ganz passt, ist die Zeit. Wenn es passen sollte, muss es in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ausbringung passieren, es passiert nicht Tage später. Hinzu kommt, dass Clomazone und Metazachlor schnell verstoffwechselt werden. 90% sind nach 7 Tagen über Urin und Fäzes ausgeschieden. Auch der Nachweis, dass man 2001 bei einer Patientin nach drei Wochen noch etwas gefunden hat, ist erstaunlich. Man hat allerdings nur Spuren gefunden. Es war knapp über der Nachweisgrenze im Nanogrammbereich, da kann schon fast ein analytischer Fehler mit hineinspielen.

Der Arzt hat Blutproben eingefroren im Jahr 2001 und wohl auch jetzt, durch das Gefrieren sind aber die Proben nicht mehr nutzbar. Man dürfte es nur kühlen oder es gleich zentrifugieren und dann einfrieren. Mit eingefrorenem Vollblut kann man nichts mehr anfangen.

Es ist sehr schwer, etwas zu den Symptomen zu sagen. Teilweise entsprechen die Symptome der Jahreszeit. Das soll nicht abwiegelnd sein. 2001 ist die Fragebogenaktion durchgeführt worden. Die Bereitschaft, die Fragebögen auszufüllen, ist relativ gering gewesen. Die Retrospektive ist immer schwierig.

Wenn sofort ein Fragebogen nach der Spritzaktion ausgefüllt würde, wäre das viel besser.

Heimrath: Jahreszeitliche Bedingtheit ist uns auch bekannt. Die Krankheiten werden vermutlich von den Mitteln auch nicht direkt bewirkt, vielleicht wird nur die Latenz zum Ausbruch einer Krankheit erhöht. Aber man weiß ja, dass z.B. bei Allergikern bereits geringste Spuren des Allergens reichen, um die Krankheit auszulösen. Jedenfalls sind die Symptome gleich wie damals, und sie sind auffallend häufig und folgen genau dem Zeitverlauf der Ausbringung. Wir sind auch immer noch erstaunt, dass es keinerlei Studien zur Symptomatik beim Menschen gibt.

Dr. Hauk: Man kennt diese Symptome nur von Tierversuchen mit Ratten und Meerschweinchen.

Heimrath: Auch Kühe zeigen Symptome im Versuch.

Dr. Hauk: Die tägliche Dosis, die ein Mensch einnehmen kann, wird mit Hilfe von Versuchen an Ratten bestimmt und entsprechend hochgerechnet.

Frau Dr. Brüsch: Wir waren mit den Fragebögen da, haben sie mit nach Hause gegeben. Mit dem, was zurückkam, konnten wir leider nichts anfangen. Wenn wir etwas objektivieren wollen, muss man weit ausholen. Wir müssen den genauen Zeitpunkt der Symptome feststellen. Ich bin jetzt am 26. August aus dem Urlaub gekommen und habe im Amt die Meldung gehabt: Es gibt viele Virus-Infekte im Atemwege- und im Magen-Darm-Bereich. Das war 2001 auch so, aber das ist nicht genau genug, deshalb kann man die Krankheitsmeldungen nicht werten. Es muss besser und frühzeitig dokumentiert werden.

Dr. Hauk: Die Fragebögen mögen vielleicht etwas zu umfangreich erscheinen. Aber sie haben sich bewährt und sind bewusst so umfangreich abgefasst worden. Das gesamte Umfeld muss abgefragt werden, um andere Wirkungen auszuschließen, z.B. von einem Mittel, das man auf der Baustelle oder im Haushalt verwendet hat. Deshalb hat der Fragebogen 18 Seiten. Der Fragebogen ist nicht auf Sie zugeschnitten.

Kowolik: Jeder Mensch reagiert auf verschiedene Umwelteinflüsse anders, siehe Pollenallergien. Ich kann nur dazu sagen: Meine Spritzenfahrer müssen turnusmäßig zum Gesundheitscheck an die Uni Greifswald. Seit 14 Jahren haben wir dort keinen Fall. Sie fahren nicht mit Maske, sie haben allerdings oben im Fahrerhaus einen Filter. Beim Einfüllen sind sie jedoch direkt mit den Mitteln in Kontakt. Es ist ja ein Arzneimittel, jedes Pflanzenschutzmittel riecht anders. Keiner von denen, die Nimbus CS ausgebracht haben, hat über Kopfweh geklagt.

Remy: Ich habe einen der Fragebögen ausgefüllt. Warum waren sie nicht zu verwerten?

Dr. Brüsch: Es sind nur 2 oder 3 eingegangen.

Heimrath: Die betroffenen Leute waren durch die schwierige Situation nach dieser Pressekonferenz am 29.9.2001 völlig eingeschüchtert. Deshalb haben sie sich nicht gemeldet.

Remy: Meine Tochter hatte Hautausschlag. Es wurde ein toxo-allergischer Schock festgestellt. In der dermatologischen Klinik wurde bestätigt, es sei vom Bild her ein Gianotti-Crosti-Syndrom, aber ohne Befund. Es wurde auf alle bekannten Ursachen getestet, aber es war weder Hepatitis, noch Windpocken, noch wurden die dafür typischen anderen Viren gefunden. Vielleicht sind Menschen in meiner Familie besonders empfindlich – anders als die Spritzenfahrer?

Dr. Buchwald: Aus 2001 hat sich ergeben, dass keine gesundheitlichen Zusammenhänge nachweisbar waren. Wir sehen, dass Sie hier Zusammenhänge darstellen zwischen Clomazone-Einsatz und einer Beeinträchtigung der Bevölkerung. Das nehmen wir ernst, aber das kann jahreszeitlich bedingt sein – Frau Dr. Brüsch hat von Virus-Infektionen in der Gegend gesprochen. Kann man landesweit etwas feststellen – ist das eher bei Landärzten so, oder hat man das auch in den Praxen in der Stadt?

Dr. Brüsch: Die Infekthäufigkeit hat ab Mitte August zugenommen, das war in alle Praxen so. Die Ursache weiß ich nicht.

Andiel: Dieser Landkreis ist in seiner landwirtschaftlichen Struktur überall gleich.

Dr. Hauk: In Rostock hatten wir auch verstärkt mit grippalen Infekten zu tun. Der schöne Spätsommer hat auch seine Tücken, abends wird es relativ kühl. Es gibt Statistiken und den Monatsbericht – in der Regel sind dort am Sommerende immer mehr Infekte.

Holsten: Man müsste einen ganz anderen Bereich zum Vergleich heranziehen, z.B. den Teutoburger Wald.

Dr. Hauck: Dann müssten man das andere Klima, die Ernährung und viele andere Faktoren auch berücksichtigen. Das kann man so nicht machen. Rostock ist schon sehr unterschiedlich. Wenn wir dort auch verstärkt Erkrankungsfälle haben, ist das schon vergleichbar.

Remy: Ich möchte lieber in die Zukunft schauen. Wenn die Fragebogen zu dem Zeitpunkt, wo gespritzt wird, ausgefüllt werden, wäre es besser. Das Problem ist aber: Ich weiß ja gar nicht, wann was gespritzt wird.

Dr. Hauk: Chlorose tritt relativ rasch auf, das sehen Sie relativ früh und wissen es dann.

Dr. Buchwald: Erst nach 7 bis 10 Tagen. Ich wiederhole, wir können durch die bisherigen Ergebnisse nur einen begrenzten Zusammenhang sehen. Ich würde daher den Vorschlag machen, dass wir uns an die Bundesregierung wenden, dass das BfR gebeten wird, sich mit den gesundheitlichen Aspekten des Wirkstoffs zu beschäftigen, damit Studien stattfinden. Wir nehmen die Sache ernst.

Heimrath: Sehr gut, aber eine Ergänzung möchte ich machen: Wir sagen nicht, dass es allein auf Clomazone zurückgeht. Es scheint mit dem Ausbringen von Clomazone zusammenzuhängen. Die zusätzlichen Stoffe, die dem Mittel beigemengt sind, wirken vielleicht mehr. Vielleicht ist es überhaupt nicht Clomazone, sondern hat mit dem Glyphosat zu tun, mit dem vorher alle Flächen totgespritzt wurden, viele hundert Hektar zusammenhängende Fläche? Diesen Verdacht haben wir schon 2001 geäußert, und darauf ist überhaupt nicht eingegangen worden.

Dr. Buchwald: Wir leben grundsätzlich in einer belasteten Umwelt, wir können Schadstoffe nicht ganz ausschließen.

Heimrath: Gerade weil es so ist, ist die Gesellschaft aufgefordert, solchen Dingen nachzugehen, um die Dinge nicht zu verschlimmern. Deshalb sprechen wir darüber, auch als Laien.

Dr. Buchwald: Ihr Vorschlag ist schwer umzusetzen, denn man kann nicht alle chemischen Stoffe gleichzeitig untersuchen. Sie haben einen Zusammenhang zwischen Clomazone plus Hilfsstoffe etc. und Gesundheitsbeschwerden festgestellt. Dies sollten wir bei der Untersuchung ins Visier nehmen.

Andiel: Es macht auch einen Unterschied, ob es 20 oder 500 Hektar sind, die besprüht werden. Wir sind hier wenige Menschen völlig umgeben von riesigen Flächen. Woanders sind die Flächen kleiner.

Dr. Buchwald: Das können Sie so nicht sagen. In Niedersachsen und Schleswig Holstein gibt es zwar kleinere, aber insgesamt genauso viel Flächen. Und es leben mehr Leute da, es wären also mehr betroffen.

Andiel: Wenn ich 200 Hektar an einem Tag besprühe, habe ich eine relativ große Dunstglocke, die vielleicht länger bestehen bleibt als auf einem kleineren Feld ...

Kowolik: Das spielt keine Rolle. Raps wird vom 15. bis 31. August gedrillt. Und es wird alles im gleichen Zeitraum gespritzt. Wenn es kleinere Felder sind, dann wird eben auf vielen kleinen Feldern gleichzeitig gespritzt.

Wilkening: Es wäre doch wichtig zu untersuchen, welche Auswirkungen das Ausbringen auf so großen Flächen auf die Verfrachtung hat.

Heimrath: Bei dem Hearing in der Bundesanstalt für Pflanzenschutz in Braunschweig im Februar 2002 ist deutlich geworden, dass es einen Gradienten gibt von Norden nach Süden. Aus Ländern mit kleineren Schlägen ist weniger gemeldet worden als aus M-V, Schleswig-Holstein, Dänemark, Polen etc.

Dr. Röber: Im Norden sind die Rapsanbauflächen größer. In Bayern z.B. sind damals auch Symptome beobachtet wurden.

Dr. Broschewitz: Raps fühlt sich vor allem im Norden wohl – hohe Luftfeuchtigkeit, der Boden ist geeignet. Deshalb gibt es mehr Raps in M-V und Schleswig Holstein. In Bayern wird auch viel Raps angebaut, aber nicht in den anderen südlichen Ländern. Deshalb hängt der Gradient nur mit der Häufigkeit des Anbaus zusammen.

Heimrath: Herr Stiemer, ich hatte Sie mal so verstanden, dass es doch einen Zusammenhang mit der Größe der Fläche gibt.

Stiemer: 100 qm mit Clomazone behandelt und daneben eine Fläche von 100 Hektar – da kann ich mir schon vorstellen, dass die Belastung von der größeren Fläche aus viel größer ist. Wir spekulieren hier alle. Ich könnte mir vorstellen, dass sich bei einer größeren Fläche eher eine Dunstglocke bildet, die verfrachtet wird.

Dr. Broschewitz: Im Landesdurchschnitt haben wir 20% Raps in der Fruchtfolge.

Heimrath: Die Flächen, auf denen Mittel getestet werden, sind ja relativ klein ...

Dr. Buchwald: Es gibt mehrere Schritte in der Zulassung. Zu den Versuchen bei den amtlichen Stellen im Rahmen des Zulassungsverfahrens gehört auch ein Erprobungsanbau, auch in den normalen Größen. Abschließend: Wir werden an das BfR herantreten, sie bitten eine Untersuchung vorzunehmen auf alles, was in clomazonehaltigen Mitteln enthalten ist.

(Man wechselt zum nächsten Schwerpunkt:Umweltgefährdung)

Dr. Röber: Ich sehe das ziemlich nüchtern, kann hier kein höheres Gefahrenpotenzial entdecken, als es bei anderen Mitteln auch der Fall ist. Einziger Unterschied: Die Auswirkungen sind schnell zu sehen. Die Mengen der Wirkstoffe sind aber sehr geringfügig, bei Clomazone 40 oder 80 Gramm pro Hektar. Von dieser Menge kann eigentlich keine gewaltige Katastrophe ausgehen. Bei Allergikern mag das anders sein. Bevor ein Mittel zugelassen wird, da müssen sich viele Behörden damit befassen, es auszutesten. Wenn man irgendeine Belastung feststellt, wird es nicht zugelassen.

Dieser Wirkstoff hat ein sehr enges Zeitfenster. Das ist kein Potenzial, das uns ganzjährig belastet.

Kowolik: Wir spritzen von den empfohlenen Aufwandmengen 60 bis 80 Prozent.

Dr. Röber: Ja, die Aufwandmengen werden in der Regel unterschritten, auch schon, um Geld zu sparen.

Heimrath: Wenn ich sehe, wie sich meine Umwelt im Jahresrhythmus entwickelt, und plötzlich erfährt sie in ihrer Vitalität einen Einbruch: Blätter färben sich weiß, Gemüse geht ein, Sellerieblätter können nicht gegessen werden, das Gras wächst nicht mehr, dann fühle ich mich nicht mehr wohl. Was macht es mit mir als Mensch, wenn die vielen Holunderbäume hier innerhalb von 14 Tagen weiß werden und die Blätter verlieren, was macht das mit meiner psychischen Gesundheit? Wenn die Bäume ihre Blätter nicht mehr der Sonne folgen lassen können, wenn der Ahorn schlapp aussieht und die Lindenblätter sich einrollen? Der optische Eindruck, dass die Natur erkrankt ist, dass sie geschwächt ist, das wirkt durch die Psyche auf mich ein und belastet mich. Die Natur ist ein Teil von mir, von uns Menschen.

Man kann doch nicht sagen, es ist nur ganz wenig, was ausgebracht wird. Das ist doch kein quantitativer Vergleich. Clomazone ist ein extrem mächtiger Wirkstoff, es wirken doch schon Moleküle!

Dr. Röber: Um diesen Wirkstoff wurde sehr, sehr gerungen, weil eben schon Moleküle wirken. Keine Behörde hat es sich leicht gemacht. Man ist sicherlich mit sehr hoher Verantwortung in dieses Zulassungsverfahren hineingegangen. Es findet ja eine fortlaufende Beobachtung statt, das ist ein ganz normaler Vorgang. Die Beobachtungen entscheiden dann über die Wiederzulassung.

Dr. Buchwald: Sowohl die Fälle, die von Ihnen jetzt dargelegt werden, als auch weitere Fälle im Land möchte ich zum Anlass nehmen, dass BVL aufzufordern, in Kontakt mit dem Landespflanzenschutzamt weiter zu erforschen, ob Clomazone weiter eingesetzt werden kann.

(Man wechselt zum nächsten Schwerpunkt: Ökologischer Landbau)

Dr. Buchwald: Wir haben ein Nebeneinander von konventionellem und ökologischem Landbau in diesem Land. Da braucht es gegenseitige Rücksichtnahme. Die Frage, was mit Ihren Produkten wird, Melisse und Calendula, sollte mit der Kontrollstelle abgesprochen werden. Wir haben es nicht mit einem „Mitspritzen“ der Fläche zu tun, sondern mit einer partiellen Verfrachtung.

Wilkening: 2001 hat es für uns eine Katastrophe bedeutet. Wir haben uns 2 Monate vorher nach einer dreijährigen Aufbauphase ausgegründet und konnten nun nicht mit vollen Segeln ins Geschäft einsteigen. Das hatte langfristige Auswirkungen. Jetzt sind wir am Markt gut eingeführt, verkaufen im Norden, Osten und Südwesten Deutschlands, sind gut über den Naturkostgroßhandel vertreten. Wenn wir jetzt nicht liefern können, ist unsere Aufbauarbeit dahin. Ein Image-Schaden, ein finanzieller Verlust. Für uns ist wichtig zu erfahren: Was können Sie tun, damit sich das nicht wiederholt für uns als kleinem Ökobetrieb. Was können sie uns raten, damit wir geschützt sind?

Heimrath: Klein? Immerhin sind es 10 Arbeitsplätze. – Es ist ein grundsätzliches Problem, man sieht die Zeichnung der Pflanzen überall, im ganzen Land. Man muss davon ausgehen, dass alle Flächen, die dazwischen liegen, von der Verfrachtung betroffen sind. Wie geht die gesamte Öko-Kontrolle mit diesem Phänomen um? Dies berührt das Selbstverständnis von dem was „kbA“ (kontrollierter biologischer Anbau) heißt! Das muss man auch im Namen der Kollegen sagen, die den Schaden zwar nicht gemeldet haben, deren Felder aber doch vermutlich auch von dem Wirkstoff berührt wurden, den ihre Nachbarn ausgebracht haben. Mit Rücksichtnahme kommt man hier nicht weiter, weil der Landwirt ja bereits Rücksicht genommen hat und trotzdem der Schaden entstanden ist.

Dr. Buchwald: Wir haben zwei Aspekte: Die unternehmensinterne Frage ist: Was soll mit den Produkten geschehen? Die zweite Frage ist: Was ist mit dem Nebeneinander von konventionellen und ökologischen Unternehmen?

Solange Grenzwerte nicht überschritten werden, kann ein Mittel bedenkenlos verzehrt werden. Wenn ich in einem Öko-Lebensmittel einen Schadstoff feststelle, der aber mengenmäßig unterhalb des Grenzwerts liegt, und dieser Grenzwert beinhaltet Sicherheitsmargen, so kann ich dieses Produkt genießen. Ein Produkt aus dem Ökolandbau kann heute nicht mehr schadstofffrei sein. Ökolandbau heißt Anwendung einer bestimmten Produktionsweise, so dass die Wahrscheinlichkeit einer Schadstoffbelastung voraussichtlich geringer ist. Im konventionellen Anbau sind Präparate zugelassen, die Sie nicht nutzen dürfen.

Heimrath: Das ist die eine Seite. Das ist die Schadstoffbelastung des fertigen Produkts. Der kbA sieht aber vor, dass bestimme Mittel bei der Produktion nicht eingebracht werden. Wenn sie während der Produktion absichtlich oder unabsichtlich in das Produkt geraten, verliert man das Qualitätssiegel. Der Käufer hat den Anspruch, dass in der Produktion diese Mittel nicht eingesetzt worden sind. In der Tüte ist vielleicht dieser oder jener Schadstoff drin – das ist nicht unbedingt ein Rückschluss auf den Anbau, der Schadstoff kann irgendwoher kommen. Wenn ich aber weiß, dass beim Anbau oder in der Produktion ein Mittel eingesetzt wurde, das nach kbA nicht zugelassen ist, dann kann ich den Kunden nicht belügen.

Jannsen: Wir reden über die EG-Bioverordnung. Wir müssen hinterfragen, was sie regelt. Sie ist eine Verbraucherschutzverordnung, die alle Begriffe und Siegel wie kbA für bestimmte Produktbereiche schützt. Wenn wir den Fall hier betrachten, fällt der Kräuteranbau unter diese Verordnung. Diese Verordnung definiert für den Verbraucher und denjenigen, der sie einhalten muss, wie ein bestimmtes Produktionsverfahren stattfindet. Wenn der Landwirt diese Dinge einhält, darf er das Siegel kbA verwenden. Wenn irgendwo in einem Ökoprodukt ein Stoff festgestellt wird, der dort nicht hineingehört, entwertet dies das Ökoprodukt nicht per se, weil wir nicht in einer schadstofffreien Umwelt leben. Wenn jemand keinen bewussten oder direkten Eintrag hat, kann auch ein belastetes Produkt mit einem Wirkstoff wie DDT durchaus ein Ökoprodukt sein, denn es kann sein, dass das DDT vielleicht irgendwann in der Historie dazugekommen ist, vielleicht aus einem schon vorher belasteten Boden.

Die andere Seite ist: Wenn der Verbraucher das Produkt kauft, weiß er, dass beim Anbau bestimmte chemische Stoffe nicht eingesetzt wurden und auch nicht mit dem Produkt in Verbindung gebracht worden sind. Wenn es mit so einem Wirkstoff, egal mit welcher Menge, in Verbindung gekommen ist, darf es nicht mehr als Ökoprodukt bezeichnet werden. Wenn der Betrieb den Verdacht hat, muss er es sogar seinen Kunden mitteilen!

Wenn wir es hier konkret machen wollen: Hier ist das so passiert, man hat von Seiten des Unternehmens diesen Punkt erfüllt und beim Verdacht die Ware separiert. Wäre es möglich, so einen Verdacht auszuräumen? Vom Grundsatz ist während des Produktionsverfahrens das In-Kontakt-Kommen mit Stoffen, von denen ein Verbraucher ausgehen muss, dass sie während des Verfahrens nicht angewendet wurden, geschehen.

Dr. Kachel: Wir müssen die Ernteprodukte nach dieser großen Runde noch gesondert ansehen. Dazu werden wir uns im kleineren Kreis noch zusammenfinden. Zu dem zweiten Punkt: Wie ist es generell mit der Koexistenz von Ökolandbau und konventionellem Landbau? Wir haben eine ständige Zunahme von Biobetrieben im Land. Damit sind auch Produkte und Produktqualitäten verbunden. Auch die Abnehmer kontrollieren, z.B. Bionahrung für Hipp. Sehr umfangreich wird getestet. Es ist ein sehr engmaschiges, strenges Kontrollsystem.

Wir sind jetzt dabei, für Clomazone die Prüfung vorzunehmen, wie es zu einer Koexistenz zwischen Öko- und konventionellen Betrieben kommen kann.

Dr. Broschewitz: Gegenseitige Kommunikation ist wichtig für die Koexistenz. Man muss miteinander sprechen, sich über geplante Maßnahmen gegenseitig informieren damit keiner benachteiligt wird.

Andiel: Es geht doch auch um die Eigentumsgarantie. Ich fühle mich in meinem Eigentum betroffen, wenn mir jemand etwas zufügt, das ich gar nicht will. Ich muss doch nicht hinnehmen, dass mir jemand etwas über den Zaun kippt, das ich nicht in meinem Garten haben will. Dazu habe ich noch nichts gehört.

Dr. Buchwald: Die Eigentumsgarantie hat zwei Seiten: Auf beiden Seiten vom Zaun ist ein Eigentümer. Jemand möchte etwas machen, was nicht gegen das Gesetz verstößt. Auf jeder Seite vom Zaun möchte jemand etwas tun: Hobbygärtner, Ökobetrieb, konventioneller Betrieb. Es kann nicht sein, dass einer verzichten muss, damit der andere völlig zum Zuge kommt.

Sie können das rechtlich klären lassen, aber das ist ein langwieriger Prozess. Damit können Sie in der Praxis nicht viel anfangen.

Die Eigentumsgarantie gilt für alle Beteiligten.

Holsten: Der Holunder hat ja kein Interesse, das mit unseren menschlichen Interessen zu vergleichen ist. Der ist doch einfach da. Der hat doch auch ein Recht auf Unversehrtheit. Mir fällt das Wort Bestandsschutz ein. Konventionelle Landwirtschaft verfolgt wirtschaftliches Interesse. Das Bestehende sieht sich jetzt in der Situation, sich rechtfertigen zu müssen.

Dr. Buchwald: Das ist schon eine philosophische Frage. Das können wir hier nicht besprechen. Der Holunder am Straßenrand steht jeweils im Eigentum von Kreis oder Gemeinde. Der Holunder ist eine Sache, die geschädigt wurde.

Heimrath: Dazu empfehle ich Ihnen den Fall „Should Trees Have Standing?“ Es gibt diesen interessanten Fall in den USA – können Bäume sich vor Gericht vertreten?

Frau Dr. Behn: Die EG-Ökoverordnung regelt das Produktionsverfahren. Im Wortlaut geht es um die „Behandlung von Pflanzen“ oder die „Anwendung“ eines Mittels: Ist eine Verfrachtung eine Behandlung von Pflanzen oder ist es eine Anwendung? Die Ökoverordnung ist ja eine Verbraucherschutzverordnung, deshalb ist 2001 eine Aberkennung der Produkte als Ökoware erfolgt, weil sie der Verordnung widersprachen: In einem solchen Fall (wie 2001) sind diese Produkte nicht als ökologisch zu kennzeichnen.

Dr. Buchwald: Frau Wilkening hatte gefragt: Wie können wir Sicherheit geben? Wir können nur mit an den Rahmenbedingungen arbeiten, aber wir können keine Sicherheit geben.

Es braucht eine Kommunikation, dass man sich abstimmt, dass das Ganze berechenbar bleibt.

Wilkening: Wir und Herr Kowolik sind Beispiele für ein Nebeneinander zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Kommunikation und Verständigung ist sicherlich das A und O.

2001 gab es das Stichwort: Grüne Gürtel um die Dörfer. Das war ein Vorschlag vom Landwirtschaftsminister; das ist diskutiert worden, ist aber versandet. Können Sie etwas machen, was Heckenpflanzungen angeht? Die finanzielle Förderung von Heckenpflanzungen ist ja möglich. Es geht bei uns ja auch um Flächentausch und Arrondierung. Die kleinen verstreuten Flächen sind schwierig zu bewirtschaften, das ist für uns ein Notbehelf. Wir haben jetzt größere Flächen. Jetzt würden wir gerne mit Ihrer Unterstützung so eine Zusammenlegung der Flächen machen.

Dr. Buchwald: Bei Flächentausch muss man sich mit dem Nachbarn einigen. Mit der neuen Ausrichtung der Grundförderung können wir jedoch mehr tun. Die Förderungen sind nicht an bestimmte Kulturen gebunden, der Landwirt ist frei, je nach Situation zu entscheiden. Da sind Möglichkeiten gegeben, zu einem gewissen Ausgleich zu kommen. Hier in Pulow müssten Sie sich mit Herrn Kowolik zusammensetzen, damit wir das Konfliktpotenzial herunterfahren.

Dr. Kachel: Vor zwei Jahren gab es Modulationsmaßnahmen im Förderrecht. Es waren weitere Förderrichtlinien in der Vorbereitung, u.a. Grünstreifen, z.B. an Fließgewässern, Wäldern und Ökobetrieben. Die Richtlinie kam nicht zum Zug, weil alle Gelder für die artgerechte Tierhaltung eingesetzt wurden.

Heimrath: Wer haftet denn in so einem Fall? 2001 war der materielle Schaden scheinbar berechenbar: Ausfall der Melissenernte. Die Haftung hat aber bei weitem nicht ausgereicht, um den tatsächlichen Schaden aufzufangen. Die Genossenschaft leidet bis heute unter dem Einbruch in der Firmenentwicklung. Durch den Zukauf ist eine andere Kostenstruktur im Betrieb entstanden. Durch die Umstellung, dass man die Flächen nicht mehr nutzen konnte, mussten andere Flächen bewirtschaftet werden, die weiter entfernt waren.

Wir werden hier kreidebleich, wenn sich das in der jetzigen Phase des Unternehmens wiederholt. Niemand ist jetzt da, der den Schaden ersetzen kann. Landwirt und Spritzenfahrer trifft offenbar keine Schuld.

Dr. Buchwald: Zu diesem Problem kann ich keine Aussage machen. Eine Schuldzuweisung ist in diesem Fall kaum möglich, und das würde ich auch niemals tun. Es muss eine juristische Klärung vorgenommen werden. Ich kann aber ausschließen, dass das Land in Haftung tritt.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: Wir haben im Frühjahr Legehennen-Halter sperren müssen. Durch eine Unachtsamkeit ist ein Medikament ins Futter geraten. Der Schaden wurde nicht vom Land ersetzt. Für so etwas gibt es keine Haftung. Haftung gibt es nur, wenn der Schaden mit einem Verursacher in Verbindung gebracht werden kann. Hier ist die direkte Auseinandersetzung zwischen den Wirtschaftsbeteiligten gefragt. Das ist das unternehmerische Risiko, das passiert jeden Tag.

Dr. Broschewitz: Die Kontrollstelle muss klären, in welchem Umfang ein Schaden angefallen ist.

Heimrath: Wir haben mit Clomazone ein Produkt, das zeigt, dass es nicht so handhabbar ist. In Amerika gibt es dafür eine ausgedehnte Produkthaftung ...

Dr. Buchwald: In Deutschland gibt es auch die Produkthaftung. Der Hersteller geht aber erst mal von einem Anwendungsfehler aus, und der Landwirt muss nachweisen, dass alles korrekt gehandhabt wurde. Die rechtliche Problematik müssten Sie mit einem Juristen klären.

Heimrath: Wenn Clomazone auf dem Markt bleibt, besteht die Gefahr, dass sich der Schaden ein drittes Mal wiederholt. Sagt man dann noch mal: Wir haben dazu keine Position?

Dr. Buchwald: Wir wollen nicht, dass sich so etwas wiederholt. Deshalb werden wir auch auf das BfR und das BVL zugehen. Ich würde es begrüßen, wenn das Produkt vom Markt verschwindet. Hier ist die Zielrichtung klar. Aber ich empfehle Ihnen nicht, gegen BASF oder eine solche Firma zu klagen.

Wir können zu BASF nicht sagen: Du bist schuld, du bezahlst. Wir können nur sagen: Es ist ein schwer beherrschbares Präparat, es muss weiter geprüft werden, und durch die zuständige Behörde ist über die Zulassung zu entscheiden.

Wenn es sich ergibt, dass clomazonehaltige Produkte gesundheitsgefährdend sind, muss der Wirkstoff ebenfalls vom Markt genommen werden.

Heimrath: Die Kontrollstellen müssen entscheiden, wie mit dem Fall umgegangen wird. Wie weit sind denn die Gerichtsverfahren von 2001, z.B. von Willy Götz, inzwischen gediehen?

Dr. Buchwald: Da müssen Sie Herrn Götz fragen.

Andiel: Wir waren damals in Schwerin beim Landwirtschaftsminister und haben all das ausführlich behandelt. Es waren damals 56 Vorkommnisse in M-V gemeldet, und es gab die Aussage des Ministeriums, dass man im Sinne des Verbraucherschutzes aktiv werden würde.

Dr. Buchwald: Es mag Ihnen so erscheinen, als ob unsere Maßnahmen zu schwach waren, aber wir haben immense Anstrengungen zur Überwachung unternommen. Ich wüsste nicht, was das Land noch für Möglichkeiten hätte. Ich sehe die größte Chance darin, dass der ökologische und der konventionelle Anbaubetrieb miteinander kommunizieren und sich viel mehr über die bestehenden Probleme austauschen.

(Herrr Kowolik muss einen Termin einhalten und verabschiedet sich.)

Heimrath: Das Gespräch mit Dr. Rudolphi damals war ein gutes Signal, aber es hat nicht viel gebracht, weil es nicht weitergeführt wurde. Das Land sollte den Prozess kontinuierlicher unterstützen, z.B. indem Sie sagen, sie befürworten Modellprojekte. Die Sache mit dem Flächentausch kriegen wir nur schwer im privaten Dialog geregelt. Von Ihrer Seite müssten klare Bekenntnisse kommen, die im Dialog zwischen ökologischem und konventionellem Anbau verwendet werden können.

Dr. Buchwald: Bekenntnisse gibt es ja von Seiten des Landwirtschaftsministeriums. Sie haben damals mit Ihrer Kampagne versucht, ein Klima zu schaffen, in dem Ihre Argumente gehört werden sollten. Der Minister hat sich damals konkreten Angriffen ausgesetzt gesehen. Deswegen ist vielleicht manches auch zurückgegeben worden. Das Vorgehen dieses Jahr war viel besser. Es macht eben nicht viel Sinn, wenn ich laufend Presseerklärungen für den Minister schreiben muss, es ist besser, wir setzen uns so wie heute zusammen. Aber das mit den Flächen können wir nicht beeinflussen. Das mit den Schutzstreifen, dafür wird es bessere Grundlagen in Zukunft geben. Ansprechpartner zum Flächentausch ist seitens des Landes das Amt für Landwirtschaft.

Wir als Ministerium könne so einen Prozess nicht über Jahre hinweg begleiten. Wir können nicht landesweit Moderation machen.

Dr. Broschewitz: Das Land hat über Schutzstreifen nachgedacht. Das Pflanzenschutzamt hat gegenüber den Landwirten die Beratungsaussage getroffen, dass man 20 m breit um Gewässer herum Flächen stilllegen kann. Das neue Förderungsrecht gibt die Möglichkeit, in keiner Weise mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen, weil nicht mehr das Produkt, sondern der Betrieb gefördert wird. Aber bei Clomazone geht es um ein Produkt-Problem.

Andiel: Die Situation vor Ort mit den großen Unternehmen ist für die kleinen Gemeinden sehr kompliziert. Die Problematik bei Wanderwegen legt dies offen. Einen Wanderweg zu schaffen, bedeutet, dass die Produktionsstrukturen neu gestaltet werden. Diese Veränderung fürchtet man. Dieser Prozess ist so schwer, dass so eine Gemeinde wie Pulow mit 330 Einwohnern kaum die Möglichkeit hat, Veränderungen zu schaffen. Hier wäre politische Unterstützung notwendig. Die kleinen Gemeinden im ländlichen Raum sind den Verwerfungen in der Landwirtschaftsstruktur nach der Wende nicht gewachsen.

(Es wird über die Problematik Naturschutz und Naturerschließung im Zusammenhang mit der industriellen Landwirtschaft gesprochen. Dann wendet sich die Diskussion wieder dem Clomazone-Problem zu.)

Stiemer: Es ist sehr gut, dass sich Herr Dr. Buchwald mit dem BVL in Verbindung setzt. Er hat dieses Jahr aber schlechtere Karten, weil die Meldungen nur aus dem Raum Greifswald kamen.

Heimrath: Wieviele Meldungen haben Sie heute?

Dr. Röber: Acht bis zwölf Meldungen aus unserem Bereich.

Stiemer: Das Problem beim Raps ist ja die Rauke. Die kriegen Sie mit Clomazone eben optimal in den Griff. Vielleicht kann man die Rauke aber auch mit einem anderen Mittel behandeln, z.B. mit Fox, das sollte man nochmal hervorholen. Gut ist, dass wir uns als Behörde jetzt mit dieser Sache beschäftigen können. Ich meine auch, dass Clomazone nicht zu handhaben ist und die Zulassung verlieren sollte- Ich sehe allerdings wenig Chancen, den Wirkstoff wegzubekommen, weil da wirtschaftliche Interessen der Industrie hinzukommen.

Heimrath: Wie kommunizieren wir es weiter? Wäre es von Nutzen, in einem bestimmten Abstand zu dieser Sache die überregionalen Medien einzuschalten, um die Diskussion in der Bevölkerung breiter zu machen?

Dr. Buchwald: Das ist nicht unproblematisch. Das BVL wird aufgrund von Untersuchungen entscheiden. Es wird durch die Öffentlichkeit in der Meinungsbildung nicht beeinflusst. Da gelten strikt wissenschaftliche Kriterien. Wir müssen davon ausgehen, dass die Unternehmen, die Geld in die Entwicklung geschickt haben, das genau beobachten. Sie werden die Entscheidungen des BVL anfechten, wenn es aufgrund von öffentlichem Druck entscheiden würde.

Heimrath: Es gibt aber auch eine Veröffentlichungspflicht gegenüber den Menschen, die sich z.B. über unsere Internetseite informieren. Was sagen wir da? Ich denke, dass es schon einen Spielraum gibt, in dem die öffentliche Meinung Bedeutung hat. Wenn die Bevölkerung nicht will, dass ihre Gärten geschädigt werden oder wenn die Ökobetriebe ihre Anbaumethode nicht ungestört durchführen können, dann kann dies durch einen Meinungsbildungsprozess doch unterstützt werden.

Mallien: Man müsste wenigstens die Biobetriebe informieren.

Dr. Behn: Es wäre sicher eine gute Idee, über die Verbandsnachrichten die Ökobetriebe zu sensibilisieren.

Dr. Buchwald: Sollte 2005 Clomazone noch erlaubt sein, müsste man im Mai eine Meldung herausbringen und darum bitten, die Folgen von Clomazone zu beobachten.

Heimrath: Auf diese Weise würde vielleicht kein „Skandal“ entstehen, sondern das Problem ließe sich auf der Ebene des gesellschaftlichen Dialogs lösen.

Ende der Konferenz um 14 Uhr.

 

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