ProjektAckergifte

Wovor sich Regenwürmer fürchten

Tannenhof Meißer richtet Beobachtungsfeld ein

http://www.tannenhof-meisser.de/

Autoren

Michael Meißer

Wie wirkt sich die industrielle Landwirtschaft auf das Bodenleben aus? Wie lange dauert es, ehe sich der Boden nach jahrzehntelanger konventioneller Nutzung, nach dutzenden Pflanzenschutzanwendungen pro Jahr und stark eingeschränkter Fruchtfolge wieder erholt?

Auf dem Gelände um den Tannenhof Meißer, Hundorf bei Schwerin, soll diesen Fragen mit der Einrichtung eines Beobachtungsfeldes begegnet werden. Während die Weihnachtsbaumplantage seit jeher möglichst naturnah bewirtschaftet wird, hat die Intensität des Pestizideinsatzes auf den umliegenden Flächen einer Agrargemeinschaft mit 3900 Hektar Fläche stark zugenommen. Die Schäden beschränken sich nicht auf die bewirtschafteten Flächen, sondern ergreifen durch Abdrift, Verdunstung und Abschwemmung auch hunderte Meter und gar kilometerweit entfernte Gärten und öffentliches Gelände. Die sichtbaren Folgen sind die alljährlich nach Spritzeinsätzen sichtbaren rötlichen, gelblichen, weißen oder violetten Verfärbungen an Bäumen, Sträuchern und Gartengemüse. Die nicht sofort sichtbaren Folgen betreffen den massiven Artenrückgang, das Quasi-Aussterben von Insekten und Vögeln.

Das Bodenleben spielt eine zentrale Rolle hinsichtlich der Nährstoffversorgung der Pflanzen und ist ein riesiger - und weitgehend unbekannter - Lebensraum: 1 Hektar gesunder Boden kann 15 Tonnen Bodenlebewesen enthalten, das sind 1,5 kg pro Quadratmeter. Die Regenwurmanzahl und –masse pro Bodenfläche liefert einen Hinweis auf den allgemeinen Zustand des Bodens und kann zur Abschätzung der Verträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln herangezogen werden.

Auf dem Tannenhof werden daher mehrmals pro Jahr Regenwurmzählungen vorgenommen: Sowohl auf Ackerflächen, die über Jahrzehnte Pflanzenschutzmittel geschluckt haben, wie auch auf intensiv und extensiv bewirtschafteten Wiesen und im Bereich der Weihnachtsbäume. Die Ergebnisse werden statistisch ausgewertet und zukünftig im Blog von "Ackergifte? Nein Danke!" und im Infopool der Bürgerinitiative Landwende veröffentlicht.